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TÜV bzw. Hauptuntersuchung überzogen?

Der TÜV-Termin gehört zu den Pflichten jedes Fahrzeughalters: § 29 StVZO schreibt die Hauptuntersuchung in festen Intervallen vor. Wer die HU überzieht, riskiert Bußgelder, eine erweiterte Prüfung mit Aufpreis und Diskussionen bei jeder Kontrolle. Der TÜV-Report 2026 zeigt zugleich, dass mehr als jedes fünfte geprüfte Auto durchfällt. Dieser Ratgeber erklärt Fristen, Ablauf und Sanktionen und sagt Ihnen, welche Rechte Sie mit abgelaufener Plakette haben.

Rechnen Sie hier aus, was das kostet!

Bußgelder bei TÜV-Überschreitung
TatbestandBußgeldPunkteFahrverbotLohnt ein Einspruch?
TÜV überziehen (Motorrad, Auto, Anhänger)
… um 2 bis 4 Monate15 €eher nicht
… um 4 bis 8 Monate25 €eher nicht
… um mehr als 8 Monate60 €1
TÜV überziehen (Lkw über 7,5 Tonnen und Busse)
… um bis zu 2 Monate15 €eher nicht
… um 2 bis 4 Monate25 €eher nicht
… um 4 bis 8 Monate60 €1
… um mehr als 8 Monate75 €1
Tabelle: HU-Fristen nach Fahrzeugart
FahrzeugartHU-Frist
Pkwerstmals nach 36 Monaten, danach alle 24 Monate
Anhänger bis 750 kgerstmals nach 36 Monaten, danach alle 24 Monate
Anhänger zwischen 750 und 3.500 kgalle 24 Monate
Wohnmobil bis 3.500 kgerstmals nach 36 Monaten, danach alle 24 Monate
Wohnmobil zwischen 3.500 und 7.500 kgalle 24 Monate, nach 6 Jahren alle 12 Monate
Motorräderalle 24 Monate

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§ 29 StVZO: HU-Fristen und Plakette richtig lesen

Rechtsgrundlage der Hauptuntersuchung ist § 29 StVZO mit seiner Anlage VIII. Für neu zugelassene Pkw gilt: Die erste HU steht nach 36 Monaten an, danach müssen Sie alle 24 Monate zur Prüfung. Durchführen dürfen sie amtlich anerkannte Organisationen wie TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS, das Wort TÜV hat sich nur umgangssprachlich als Sammelbegriff durchgesetzt. Den Termin lesen Sie an der Plakette auf dem hinteren Kennzeichen ab: Die Zahl in der Mitte nennt das Jahr, die Zahl oben in der Zwölf-Uhr-Position den Monat der Fälligkeit. Wichtig zu wissen: Seit 2012 gibt es keine Rückdatierung mehr. Wer zu spät prüfen lässt, bekommt die neue Plakette ab dem Prüfmonat, verliert also keinen Zeitraum.

Sanktionslogik: Je länger überzogen, desto teurer wird es

Die Sanktionen folgen einer klaren Staffel nach Überziehungsdauer, die Details zeigt die Bußgeldtabelle. Entscheidend ist das Prinzip dahinter: In den ersten beiden Monaten nach Fälligkeit bleibt die Überschreitung folgenlos, danach beginnt der Ordnungswidrigkeitenbereich, und ab acht Monaten kommt zum Bußgeld ein Punkt in Flensburg hinzu. Für Fahrzeuge mit Sicherheitsprüfung, etwa schwere Lkw und Busse, greifen die Stufen deutlich früher und teurer. Eine zweite, oft unterschätzte Folge: Ist die HU mehr als zwei Monate überzogen, muss die Prüfstelle eine erweiterte Hauptuntersuchung durchführen, für die ein Aufschlag von 20 Prozent auf die Gebühr fällig wird. Der Versicherungsschutz bleibt zwar grundsätzlich bestehen, bei einem Unfall durch einen technischen Mangel drohen aber Regress und Leistungskürzung.

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So läuft die Hauptuntersuchung ab: Prüfpunkte und Nachprüfung

Bei der HU kontrolliert der Prüfingenieur sicherheits- und umweltrelevante Baugruppen: Bremsanlage, Beleuchtung, Achsen und Aufhängung, Reifen, Karosserie, Sicht und Elektronik, dazu kommt die Abgasuntersuchung. Die häufigsten Durchfallgründe sind seit Jahren dieselben: defektes oder falsch eingestelltes Abblendlicht, verschlissene Bremsscheiben und Bremsbeläge sowie gebrochene Federn und schwache Dämpfer. Stellt der Prüfer erhebliche Mängel fest, erhalten Sie keine Plakette, dürfen aber in der Regel zur Werkstatt fahren. Für die Nachprüfung haben Sie einen Monat Zeit, kontrolliert werden dann nur die beanstandeten Punkte gegen eine reduzierte Gebühr. Verpassen Sie diese Frist, wird eine komplette neue Hauptuntersuchung fällig. Ein kurzer Vorab-Check von Licht, Reifen und Warnleuchten in der Werkstatt senkt das Durchfallrisiko erheblich.

Aktuell 2026: TÜV-Report meldet 21,5 Prozent Durchfallquote

Aktuell 2026: Der TÜV-Report 2026 basiert auf rund 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen und weist eine Quote von 21,5 Prozent der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln aus, das vierte Jahr mit steigender Tendenz in Folge. Etwa 135.000 Fahrzeuge hatten sogar gefährliche Mängel, und rund 12.000 wurden als verkehrsunsicher eingestuft und unmittelbar aus dem Verkehr gezogen. Die Ursachen sehen die Prüforganisationen im steigenden Durchschnittsalter des Fahrzeugbestands und in aufgeschobenen Wartungen: Wer Inspektionen aus Kostengründen streckt, fällt statistisch häufiger durch. Für Halter älterer Autos lohnt deshalb die Doppelstrategie aus jährlichem Licht-Test im Oktober und einem Werkstattcheck kurz vor dem HU-Termin. So wird die Plakette nicht zum Glücksspiel, sondern zur Formsache.

E-Autos bei der HU: Rost an den Bremsen durch Rekuperation

Elektroautos haben weder Auspuff noch Ölwechsel, doch bei der Hauptuntersuchung zeigt sich ein eigenes Problemmuster: die Bremsanlage. Weil E-Autos den Großteil ihrer Verzögerung über die Rekuperation abwickeln, werden die mechanischen Bremsscheiben selten belastet. Die Folge ist Korrosion, die Scheiben rosten an und verlieren Wirkung, was Prüfer als erheblichen Mangel werten. Im TÜV-Report fällt dieses Muster bei mehreren Modellen auf, prominent beim Tesla Model Y, das bei den Bremskomponenten deutlich überdurchschnittliche Mängelquoten zeigt. Die Gegenmaßnahme kostet nichts: Bremsen Sie regelmäßig bewusst kräftig, etwa einmal pro Woche auf freier Strecke, damit sich die Scheiben freischleifen. Einige Hersteller bieten zudem einen Bremsen-Reinigungsmodus oder empfehlen die Fahrt mit reduzierter Rekuperationsstufe.

HU überzogen im Ausland und bei Kontrolle: Ihre Rechte

Läuft die Plakette während eines Auslandsaufenthalts ab, entsteht kein rechtsfreier Raum, aber auch kein Grund zur Panik. Die HU-Pflicht folgt dem Zulassungsrecht: Ausländische Behörden ahnden die abgelaufene deutsche Plakette regelmäßig nicht, sie dürfen aber einschreiten, wenn das Fahrzeug erkennbare technische Mängel hat. Nachholen können Sie die HU nur bei einer anerkannten Prüfstelle in Deutschland, planen Sie den Termin also direkt nach der Rückkehr. Bei einer Kontrolle im Inland gilt: Die Polizei ahndet nach der Überziehungsdauer, darf die Weiterfahrt bei verkehrssicherem Fahrzeug aber grundsätzlich nicht untersagen. Notieren Sie Ort und Umstände der Kontrolle. Wird derselbe Verstoß später erneut angezeigt, bevor Sie realistisch prüfen lassen konnten, ist das ein Argument im Einspruchsverfahren.

FAQ: TÜV

Wie lange darf ich den TÜV überziehen, ohne dass etwas passiert?

Bis zu zwei Monate nach dem Fälligkeitsmonat bleibt die Überziehung sanktionsfrei. Danach droht ein Bußgeld, das mit der Dauer steigt, ab mehr als acht Monaten kommt ein Punkt in Flensburg hinzu. Ein Anspruch auf eine Schonfrist besteht allerdings nicht.

Was ist die erweiterte Hauptuntersuchung?

Ist die HU mehr als zwei Monate überzogen, muss die Prüfstelle eine vertiefte Untersuchung durchführen. Dafür wird ein Aufschlag von 20 Prozent auf die normale HU-Gebühr berechnet. Sie vermeiden ihn, indem Sie den Termin rechtzeitig wahrnehmen.

Verliere ich mit abgelaufenem TÜV den Versicherungsschutz?

Nein, der Versicherungsschutz entfällt nicht automatisch. Verursacht Ihr Fahrzeug aber einen Unfall wegen eines technischen Mangels, der bei der HU aufgefallen wäre, kann die Kaskoversicherung kürzen und die Haftpflicht Regress bis zur vertraglichen Grenze nehmen.

Wird die neue TÜV-Plakette rückdatiert, wenn ich zu spät komme?

Nein. Die Rückdatierung wurde 2012 abgeschafft. Die neue Plakette gilt ab dem Monat der bestandenen Prüfung für den vollen Zyklus. Sie verlieren durch verspätetes Vorfahren also keine Nutzungszeit, riskieren aber Bußgeld und erweiterte HU.

Wie oft muss ein Neuwagen zur Hauptuntersuchung?

Erstmals 36 Monate nach der Erstzulassung, anschließend alle 24 Monate. Maßgeblich ist § 29 StVZO mit Anlage VIII. Den fälligen Monat zeigt die Plakette am hinteren Kennzeichen, die Zahl oben in der Zwölf-Uhr-Position nennt ihn.

Kann ich die deutsche HU im Ausland nachholen?

Nein, die Hauptuntersuchung für ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug nehmen nur anerkannte Prüfstellen im Inland ab. Läuft die Plakette im Urlaub ab, fahren Sie nach der Rückkehr umgehend zur Prüfung. Ausländische Behörden ahnden die deutsche Plakette normalerweise nicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Stand: Juli 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr

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